WM Val di Sole
Frei setzt die Kirsche auf die äusserst delikate WM-Torte
Cross-Country-Weltmeisterin: Sina Frei ist nach Silvia Fürst und Jolanda Neff die dritte Schweizerin, welche über die olympische Distanz triumphiert. Bild: Maxime Schmid
Zum Abschluss der aus Schweizer Sicht sehr erfolgreich verlaufenen Weltmeisterschaften in Val di Sole gewinnt Sina Frei als dritte Schweizerin in der Geschichte den Weltmeistertitel im Cross-Country. Nicole Koller sichert sich Bronze, in der U23-Kategorie holt das Nationalteam drei Medaillen.
Für Sina Frei ist die Goldmedaille an der WM die Krönung einer bereits sehr starken Saison. An der Europameisterschaft holte sie vor wenigen Wochen sowohl im Short Track als auch im Cross-Country den Titel. Von Beginn an dominierte die Zürcherin das Rennen am frühen Sonntagnachmittag. Die Schwedin Jenny Rissveds, die im Vorfeld als grösste Konkurrentin von Frei gehandelt worden war, konnte schon früh nicht mehr mit der 29-Jährigen mithalten und wurde wegen eines Defekts am Hinterrad in der dritten Runde endgültig aus dem Medaillenrennen geworfen.
Eine Weile lang heftete sich die Italienerin Martina Berta an Freis Hinterrad. Je länger das Rennen dauerte, desto klarer setzte sich die spätere Weltmeisterin von ihren Gegnerinnen ab. Frei ist nach Silvia Fürst 1992 und Jolanda Neff 2017 die dritte Schweizerin, welche im olympischen Cross-Country WM-Gold gewinnt. Berta belegte schliesslich den zweiten Platz. In einem packenden Sprint setzte sie sich gegen Nicole Koller durch und verhinderte damit in ihrer Heimat einen Schweizer Doppelsieg. Die Bronzemedaille ist für Koller der grösste Erfolg in ihrer Karriere.
Am Donnerstag hatte Frei im Short Track noch Bronze geholt. Damit machte sie es in diesem Jahr genau umgekehrt wie an der WM 2021 an gleicher Stätte: Damals gewann sie Gold im Short Track und Bronze im Cross-Country. «Es ist der Wahnsinn», fasste Frei ihre eindrückliche Medaillensammlung in den italienischen Alpen zusammen. Sie habe versucht, in den Anstiegen zu pushen und sich in den Abfahrten zu erholen, erklärte Frei. «Es ist eine feine Linie: Du musst Druck auf den Pedalen haben, dich aber nicht ‚abschiessen‘. Dass mir das so gut gelungen ist, ist einfach cool.»
Während Koller, die in dieser Saison oft knapp am Podest vorbeigefahren war, davon sprach, dass sich der dritte Platz «fast wie ein Sieg» anfühle, verlief der Wettkampf für Alessandra Keller enttäuschend. Die letztjährige Bronze-Gewinnerin musste das Rennen wegen Problemen mit der Kette zweimal unterbrechen, kämpfte jedoch weiter und landete auf Platz 13.
Bei den Männern bildeten die Briten Thomas Pidcock und Charlie Aldridge lange ein Führungsduo. Pidcock, der Olympiasieger von 2021 und 2024, setzte sich in der zweitletzten Runde von Aldridge ab, der vier Wochen nach seinem EM-Titel den nächsten Triumph verpasste. Für den 27-jährigen Pidcock ist es der zweite Weltmeistertitel nach 2023 in Glasgow. Das Podest komplettierte überraschend Cole Punchard, der im Vorjahr bei den U23 noch Silber gewonnen hatte. Der 22-jährige Kanadier liess unter anderen die ambitionierten Franzosen Adrien Boichis (5.), Mathis Azzaro (6.), Jordan Sarrou (11.) und Luca Martin (12.) allesamt hinter sich.
Die Schweizer hatten mit der Medaillenentscheidung nichts zu tun, erzielten mit drei Top Ten-Klassierungen jedoch ein ansprechendes Resultat. Dario Lillo, Filippo Colombo und Fabio Püntener belegten die Ränge 7 bis 9.
Silber für Hutter, Halter-Geschwister erneut im Gleichschritt
In der U23-Kategorie verhinderte die Italienerin Valentina Corvi einen Schweizer Dreifachsieg. Europameisterin Anina Hutter wurde mit 43 Sekunden Rückstand Zweite. Short Track-Weltmeisterin Monique Halter und die EM-Silbermedaillengewinnerin Fiona Schibler landeten auf den Rängen 3 und 4, derweil Mara Winter den einmal hervorragenden Auftritt des Teams mit Platz 7 komplettierte. Pech hatte die EM-Dritte Elina Benoit, welche kurz nach dem Start in einen Sturz verwickelt wurde und das Rennen aufgeben musste. «Die Strecke war in technischer Hinsicht nicht besonders anspruchsvoll. Aus diesem Grund wurde das Rennen sehr schnell und damit auch sehr hart», liess Hutter verlauten.
Seitens der Männer liess Nicolas Halter dem Short Track-Weltmeistertitel wie seine um zwei Jahre ältere Schwester Monique den Bronzemedaillengewinn im Cross-Country folgen. Er habe leider nicht den allerbesten Tag gehabt, sei jedoch ruhig geblieben und habe Spass am Fahren gehabt, hielt der Appenzeller fest. «In der letzten Runde kämpften wir zu dritt um Bronze. Beim letzten Anstieg liess ich alles raus, und es ging auf – es ist unglaublich.»
Text: Keystone-SDA / Swiss Cycling
Die Schweiz ist die klare Nummer 1
15 Medaillen – je fünf goldene, silberne und bronzene – hat die Auswahl von Swiss Cycling an den Weltmeisterschaften in Val di Sole gewonnen. Die Schweiz ist damit im Jahr 1 nach dem Rücktritt des Ausnahmeathleten Nino Schurter unbestritten die führende Nation vor Frankreich mit 7 Auszeichnungen (darunter drei goldenen) und Österreich mit 5 Medaillen. Und auch der Blick in die Zukunft stimmt zuversichtlich, hat das Schweizer Nationalteam doch in 7 der 8 Nachwuchswettkämpfe mindestens einen der Podestplätze belegt.
Doppelpack bei den U23-Athletinnen: Monique Halter (links) gewinnt Bronze, Anina Hutter holt Silber. Bild: Maxime Schmid
