EN Ljubljana
Die Doppel-Weltmeisterin wird zur fünffachen Europameisterin
Im Regenbogentrikot zu jenen mit den Sternen: Marlen Reusser ist die beste Zeitfahrerin der Gegenwart. Bild: Arne Mill
Marlen Reusser bewegt sich im Zeitfahren in einer eigenen Liga. Wie vor zwei Wochen an der WM in Montreal verteidigt die 35-jährige Bernerin auch an der EM in Slowenien souverän ihren Titel. Die Schweizer EM-Bilanz fällt überaus erfreulich aus.
Auf dem 22 km langen Parcours rund um Sencur, welcher einen grösseren Anstieg beinhaltete, vermochte Marlen Reusser ihren Vorsprung auf die zweitklassierte Demi Vollering kontinuierlich auszubauen. Im Ziel lag die Niederländerin, die nach dem WM-Strassenrennen in Kanada vor drei Tagen auch das EM-Strassenrennen für sich entschieden hatte, um gut 23 Sekunden hinter der Siegerin zurück. Die drittklassierte Französin Juliette Berthet büsste bereits mehr als eine Minute ein.
In Montreal hatte Reusser auf dem Weg zu ihrem zweiten WM-Titel im Zeitfahren der Konkurrenz pro Kilometer auch eine Sekunde und mehr abgenommen. Die in Kanada zweitplatzierte Britin Zoe Bäckstedt lag nach 39 km um 40 Sekunden hinter der besten Zeitfahrerin der Gegenwart zurück.
„Es war ein schöner Tag. Weil es mein letztes wichtiges Rennen der Saison war, konnte ich es entspannt angehen. Ich wollte es gut machen und bin super zufrieden, dass ich gewinnen konnte“, sagte Reusser nach ihrem fünften Zeitfahr-EM-Gold nach 2021, 2022, 2023 und 2025. Mit Steffi Häberlin trat in Slowenien eine zweite Schweizerin zur Prüfung gegen die Uhr an. Die Ostschweizerin klassierte sich mit fast vier Minuten Rückstand auf Reusser im 15. Rang.
Küng fährt auf Platz 5
Bei den Männern fehlten Stefan Küng, dem Europameister von 2020 und 2021, am Ende sieben Sekunden auf die Bronzemedaille. Der Thurgauer wurde Fünfter. Um den Sieg kämpften der Slowene Primoz Roglic und der Franzose Bruno Armirail; der Einheimische entschied das Duell mit gut sechs Sekunden Vorsprung für sich. Bronze sicherte sich mit Maxime Decomble ein weiterer Franzose. Mauro Schmid klassierte sich im 14. Rang.
Küng hatte sich am Ende einer komplizierten Saison durchaus Chancen auf einen Podestplatz ausgerechnet. Letztlich verlor aber im nicht auf ihn zugeschnittenen Anstieg aber etwas zu viel Zeit, lag er doch bei der ersten Zwischenzeit nach acht Kilometern als Neunter bereits 14 Sekunden hinter Decomble. In der Abfahrt machte der 32-jährige Ostschweizer zwar Zeit gut, im letzten Streckenteil konnte er aber nicht mehr entscheidend zusetzen. Der Entscheid, das EM-Zeitfahren zu bestreiten, sei richtig gewesen. „Klar, es fehlen ein paar Sekunden aufs Podest, aber viel ist es nicht und vor mir liegen alles Fahrer, denen diese Strecke besser behagt.“
Salamin nahe am Podest, ausgezeichnete Bilanz
Noch näher ans Podest heran als Küng fuhr Junior Antoine Salamin. Der Walliser, im August mit dem Bahnvierer an der U19-WM Zweiter geworden, reihte sich neun Sekunden hinter dem neuen Weltmeister Benjamin Noval als Vierter ein; zum Gewinn der Bronzemedaille fehlten ihm gut anderthalb Sekunden. Im Medaillenspiegel der Titelkämpfe in Ljubljana grüsst die Auswahl von Swiss Cycling mit zwei goldenen sowie je einer silbernen und bronzenen Auszeichnung von Platz 4, was für eine kleine Nation einer ausgezeichneten Leistung gleichkommt.
Text: Keystone-SDA/SC
