Nexetis
Das Team NEXETIS lanciert seine zweite Saison
Das Team feiert den Gesamtsieg von Jasmin Liechti an der Portugal-Rundfahrt. Bild: Paulo Maria
In dieser Woche reist das Team NEXETIS zwecks Vorbereitung seiner zweiten Saison ins Trainingslager nach Spanien. Bevor sich der Blick nach vorne richten wird, ist es Zeit für eine Zwischenbilanz.
Das Frauen-Continental-Team NEXETIS hat in seiner Premierensaison zahlreiche sportliche Akzente gesetzt. Zu den Höhepunkten gehörten der Gesamtsieg von Jasmin Liechti in Portugal sowie die starken Auftritte von Ginia Caluori an der Tour de Suisse und der Tour de Romandie. Diese Resultate stehen exemplarisch für eine Reihe konstanter Leistungen im internationalen Vergleich.
Auch im Rahmen von Nationalteam-Einsätzen machten Fahrerinnen des Teams auf sich aufmerksam. Bei den Strassen-Weltmeisterschaften in Ruanda gehörten im Eliterennen zwei NEXETIS-Athletinnen zu den letzten verbliebenen Continental-Team-Fahrerinnen; bis ins Finale waren sie inmitten der Weltspitze präsent. Parallel dazu verfolgten drei Athletinnen die Heim-Weltmeisterschaften im Mountainbike als zusätzliches Saisonziel. In diesem Kontext erreichte die MTB-Fraktion mehrere Weltcup-Podestplätze in der U23-Kategorie. Getreu dem polycycliden Förderansatz von Swiss Cycling wird NEXETIS auch in der neuen Saison bei ausgewählten Mountainbike-Weltcuprennen starten.
Die Strategie bleibt unverändert
Unabhängig von einzelnen Resultaten bleibt das strategische Ziel unverändert: junge Athletinnen schrittweise an die internationale Spitze heranführen. Während die Rennen der Women’s World Tour deutlich an Attraktivität gewinnen, besteht in den tieferen UCI-Kategorien weiterhin strukturelles Entwicklungspotenzial. So wurde im vergangenen Jahr ein beträchtlicher Teil der von NEXETIS anvisierten Wettkämpfe verschoben oder abgesagt, was die Saisonplanung erheblich erschwerte.
Was den Schweizer Rennkalender betrifft, blieb das Team bezüglich Präsenz hinter den eigenen Erwartungen zurück. Trotz begrenzter Ressourcen sollen nationale Rennen in der bevorstehenden Saison höher gewichtet werden.
In finanzieller Hinsicht schloss die hundertprozentige Tochter von Swiss Cycling das Jahr wie budgetiert ab. Das Gesamtbudget belief sich auf rund 1,2 Millionen Franken, einmalige Startinvestitionen inklusive. Rund zwei Drittel der operativen Aufwände werden durch Sponsoringeinnahmen gedeckt. Dank der Unterstützung der Schweizer Unternehmen Thömus, DT Swiss, Assos und Chris sports kann das Team in dieser Form betrieben werden.
Ein wesentlicher Teil der Barmittel stammt zudem vom Bund, welcher bis Ende 2026 zweckgebundene Gelder zur Förderung des Frauenradsports zur Verfügung stellt. Swiss Cycling beteiligte sich mit Personalleistungen durch Mitarbeitende sowie durch Mitbenutzung des Fuhrparks. Zusätzliche Barmittel von Swiss Cycling – der Vorstand hatte sicherheitshalber einen Reservebetrag gesprochen – mussten dank konsequenter Budgeteinhaltung nicht eingeschossen werden.
Indergand unterstützt Telser, Kessler füllt eine Lücke
Mit Blick auf die neue Saison wurden punktuell Anpassungen vorgenommen. Neu wird Edi Telser das Team auf sportlicher Ebene allein führen. Im Mountainbike-Bereich wird er von Linda Indergand unterstützt, damit er sich stärker auf das Strassenprogramm konzentrieren kann. Die Saisonanalyse zeigte zudem, dass dem jungen Team eine «Capitaine de la Route» fehlte. Trotz hoher Leistungsfähigkeit besteht bei den Fahrerinnen noch Entwicklungspotenzial im taktischen Bereich.
Mit der Niederländerin Nina Kessler stösst eine sehr erfahrene Athletin zum Team, die bewusst nicht mehr einen grossen Vertrag suchte, sondern ihr Know-how in einem kleinen Team an junge Fahrerinnen weitergeben möchte. Kessler verfügt zudem über das Leistungsvermögen, auch im Finale Verantwortung zu übernehmen und taktische Anweisungen zu geben.
Überdies wurde Mara Winter engagiert. Bei der 19-jährigen Bündnerin handelt es sich um ein Talent mit viel Potenzial, welches auf dem MTB erste Rennerfahrungen gemacht hat und nun an die Sportart Strasse herangeführt wird. Fortgesetzt wird auch die Partnerschaft mit den Athletinnen aus dem japanischen Programm von Daniel Gisiger und unserem japanischen Partner Nippo.
Sportlich erfüllt das Continental-Team eine Förderrolle, in welche ein Nationalteam aufgrund der UCI-Vorgaben und der begrenzten Zulassungen zu internationalen Rennen kaum mehr schlüpfen kann.
Für die Fortsetzung braucht es einen Hauptsponsor
Der Vorstand von Swiss Cycling hat das Team bewusst als Anschubprojekt für den Frauenradsport in der Schweiz initiiert und die finanzielle Beteiligung auf zwei Jahre limitiert. Aufbauend auf dem 2019 lancierten Projekt «#fastandfemaleSUI», welches über den Breitensport eröffnet und später mit den internationalen Frauen-Rundfahrten Tour de Suisse Women und Tour de Romandie Féminin bereichert wurde, stellt sich für NEXETIS ab 2027 die Frage nach der Zukunft des Teams.
Dabei ist klar, dass es eines Hauptsponsors oder einer Überführung in eine verbandsunabhängige Struktur bedarf, um die Existenz des Teams über das Jahr 2026 hinaus zu sichern. Auch wenn die Gründung eines Continental Teams durch einen nationalen Verband nicht überall auf Verständnis stiess, erhält das Projekt aus internationalen Fachkreisen reichlich Anerkennung.
Es handelt sich auch nicht um ein Novum, vergleichbare Modelle sind bekannt. So entstand etwa das damalige Profiteam Team Sky (heute Ineos) vor rund zwei Jahrzehnten aus den Strukturen von British Cycling. Die UCI hat dem Team NEXETIS für die Saison 2026 eine Ausnahmebewilligung erteilt, um einem entsprechenden Artikel im Regelwerk Rechnung zu tragen und der Radsportförderung in der Schweiz keine Steine in den Weg zu legen.
Weitere Informationen zum Team NEXETIS finden sich unter www.nexetis.ch sowie auf den Social-Media-Kanälen des Teams.
Auf grosser Bühne: NEXETIS posiert vor dem Start zur Tour de Suisse in Gstaad. Bild: Keystone-SDA
