Flurina Rigling
«Mich reizt es, mich dem Unbequemen zu stellen und besser zu werden»
Doppelsieg beim Para-Cycling Weltcup in Belgien: Flurina Rigling startet trotz suboptimaler Vorbereitung erfolgreich in die Saison. Bild: Scott Bugden
Trotz schwieriger Vorbereitung gelingt der amtierenden Para-Weltmeisterin ein perfekter Start in die Weltcup-Saison auf der Strasse mit Siegen im Zeitfahren und Strassenrennen. Im Interview spricht sie über Geduld bei Rückschlägen, das Hineinwachsen in die Leaderrolle und warum gerade die Arbeit an den eigenen Schwächen ihre grösste Motivation ist.
Du bist am vergangenen Wochenende in Belgien direkt mit zwei Siegen in die Weltcup-Saison gestartet. Was bedeutet dir dieser Auftakt?
Der Auftakt ist optimal gelaufen, und dies nach einer alles anderen als optimalen Vorbereitung. Den ganzen Winter habe ich, wie schon letztes Jahr, in Mallorca verbracht. Ich konnte unter perfekten Bedingungen trainieren. Doch im gesamten letzten Monat vor den Rennen zu Hause war der Wurm drin, und ich war krank. Ich musste das Höhentraining abbrechen und mich in Geduld üben – für mich eine Herausforderung. Ich habe mir die Frage gestellt, was ich aus dieser Phase mitnehmen kann, um eine bessere Athletin zu werden.
Den ersten Weltcup Mitte März in Thailand hast du ausgelassen. Ist es dir schwergefallen, auf diesen Start zu verzichten?
Den ersten Weltcup habe ich ganz bewusst ausgelassen. Ich habe die Entscheidung zusammen mit meinen Trainern getroffen. Wir hatten das Gefühl, dass ich mehr davon profitieren kann, wenn ich diese grosse Reise nicht mache, erst später in die Saison starte und stattdessen noch einen soliden Trainingsblock absolvieren kann.
Du trägst das Weltmeistertrikot nun schon seit mehreren Saisons auf der Strasse, wie auch auf der Bahn. Wie gehst du damit um, ständig die Gejagte zu sein?
Ich musste in die Rolle wachsen, weil ich von meinem Naturell her lieber etwas der Underdog bin. Im Umgang mit dieser Leaderrolle werde ich von meiner Sportpsychologin unterstützt.
Wie schaffst du es, trotz all deiner Erfolge weiterhin so motiviert zu bleiben?
Für mich ist jeder dieser Erfolge speziell und einzigartig, wegen der Geschichte, die dahinter steht, und dem Weg, den man dafür zurückgelegt hat. Mich interessiert meine persönliche Weiterentwicklung. Es reizt mich, mich mit meinen Schwächen auseinanderzusetzen, mich dem Unbequemen zu stellen und besser zu werden. Deshalb sehe ich auch immer Entwicklungspotenzial. Die Arbeit macht mir grosse Freude, weil ich dies zusammen mit einem tollen Team machen darf. Neben meinen Eltern hat mich in meinem bisherigen Leben wohl noch nie jemand so geprägt wie meine Trainer.
Was sind deine Ziele für diese Saison?
Diese Saison geht es darum, erste Punkte für LA28 zu sammeln. Primär geht es aber darum, für LA28 einen optimalen Fahrplan zu entwickeln. Dazu testen wir viel, sei dies im physischen Training oder auch am Material.
Auf der Bahn gibt es keine Para-Cycling-Weltcuprennen. Wie bereitest du dich trotzdem gezielt darauf vor, um an der Bahn-WM in Topform zu sein und deine WM-Titel vom letzten Jahr zu verteidigen?
Die Strassensaison bietet physisch gesehen eine gute Basis für die WM auf der Bahn. Ich bin aber auch den gesamten Sommer über regelmässig auf der Bahn, um spezifische Bahntrainings zu machen. Nach dem Ende der Strassensaison werden die Trainingseinheiten auf der Bahn intensiviert.
Wenn du auf die kommenden Höhepunkte blickst: Wo siehst du bei dir noch das grösste Potenzial?
Mein Ziel ist es, mich technisch auf dem Rad zu verbessern. Es ist für mich eine Herausforderung, mich mit meiner eingeschränkten Grifffähigkeit mutig in einem engen Feld bei schlechten Strassenverhältnissen behaupten zu können. Aber auch beim Material sind wir stets am Tüfteln. Das nächste Projekt ist die Optimierung meines Lenkers am Strassenvelo sowie das Cockpit meines Zeitfahrrads.
