Die letzte TdS für Alba

Stefan Küng: «Alba solltest du nie abschreiben – nie»

Michael Albasini (hier an der EM 2018 in Glasgow). Bild: Arne Mill

Ab Sonntag bestreitet Michael Albasini seine 16. und letzte Tour de Suisse. Wobei es sich bei der Derniere nicht um einen Wettkampf handelt. Initiant Stefan Küng erklärt, wie es zu dieser «Abschiedstour» gekommen ist.

Es wäre der schöne Schlusspunkt einer langen, erfolgreich verlaufenen Karriere gewesen. Michael Albasini hatte geplant, sich anlässlich der Tour de Suisse 2020, in seinem 40. Lebensjahr, vom professionellen Radsport zu verabschieden. Aufgrund der Corona-Pandemie sah sich der Thurgauer veranlasst, seine Pläne zu ändern; unlängst hat er den Vertrag mit seinem australischen Arbeitgeber Mitchelton-Scott bis Ende 2020 verlängert.

Stefan Küng befand, das könne es nicht gewesen sein mit Albasini und der Tour de Suisse. Der WM-Bronze-Gewinner von Yorkshire initiierte die etwas andere Landesrundfahrt – «die letzte TdS für Alba», wie das Projekt genannt wird. Begleitet wird Albasini, der Doyen unter den Schweizer Strassenprofis, im Verlauf der nächsten Woche von Weggefährten aus der Familie, dem Kollegenkreis und dem Sport; befahren wird die für 2020 geplante Tour de Suisse-Strecke. Zum Kreis der Pedalenden gehören neben zahlreichen (Ex-)Radprofis diverse Grössen aus anderen Sportarten; mit Nicola Spirig und Beat Hefti sind zwei Olympiasieger dabei.

Stefan Küng

Der Schweizer Radsportler des Jahres 2019 sagt über Michael Albasini: „Alba war immer offen. Hatte ich eine Frage, liess er mich immer von seinem Wissen profitieren.“

Wie bist du auf die Idee gekommen, «die letzte TdS für Alba» zu organisieren?
Stefan Küng: Am Anfang war dieser Gedanke, wonach es schlicht nicht sein kann, dass ein Athlet wie Alba nach 20 Jahren und noch viel mehr Siegen einfach so aufhört. So kam ich auf die «Abschiedstour» durch die Schweiz, weil die Heimrennen uns Rennfahrern halt einfach am meisten bedeuten – frei nach dem Motto: Wir lassen uns von diesem Virus doch nicht unterkriegen. Alba war sofort begeistert, als wir ihn mit unserem Vorhaben konfrontierten.

Welche Rolle spielte Albasini in deiner Karriere?
Uns verbindet sicherlich die regionale Nähe. Wobei die Distanz am Anfang gross war und danach immer kleiner wurde; er ist immerhin 13 Jahre älter als ich. Als er längst vorne mitfuhr, fieberte ich noch vor dem Fernseher mit. Alba war immer offen. Hatte ich eine Frage, liess er mich immer von seinem Wissen profitieren. Auch als ich dann älter und besser wurde, sah er in mir nie den Konkurrenten. Das hat mich beeindruckt.

Was zeichnet Albasini als Rennfahrer aus?
Sein unglaublicher Wille. Alba kann fast vom Velo fallen und eine Stunde später die Etappe gewinnen. Ich erinnere mich an ein gemeinsames Training vor zwei Jahren. Er war angeschlagen, wirkte entkräftet und rief sogar seine Frau an, die ihn schliesslich im Rheintal unten abholte, weil er sich den Aufstieg zu seinem Wohnort Gais nicht mehr zumuten mochte. Zwei Wochen später gewann er die Gesamtwertung der Tour des Fjords, was ich ihm niemals zugetraut hätte. Seither ist für mich klar: Alba solltest du nie abschreiben, nie.

Was zeichnet ihn als Menschen aus?
Er stellt sich nie in den Mittelpunkt, obwohl er vieles gewonnen und ein wunderschönes Palmarès vorzuweisen hat. Er ist ein ruhiger, zurückhaltender, intelligenter Familienmensch, der nicht nur im Sattel Qualitäten hat. Trainierst du mit ihm, geht es in den Gesprächen oft um andere Themen als den Radsport. Der Austausch mit ihm ist für mich immer spannend und bereichernd gewesen.

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