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WM Val di Sole

Mit zahlreichen Trümpfen auf Medaillenjagd

Eine Schweizerin kommt selten allein: Alessandra Keller, Olympiasiegerin Jolanda Neff, Sina Frei, Linda Indergand und Ramona Forchini (von links, hier anlässlich eines Medientermins im Frühling) bilden im Val di Sole gemeinsam mit Nicole Koller und Steffi Häberlin das Frauenteam. Bild: Mathias Nägeli

Nach Silber in Tokio bietet sich Mathias Flückiger im italienischen Val di Sole die nächste Chance auf Gold an einem Grossanlass; mit Nino Schurter, Europameister Lars Forster und Filippo Colombo verfügt die Auswahl von Swiss Cycling über weitere Medaillenkandidaten. Jolanda Neff, Sina Frei und Linda Indergand werden sich nach ihrem heroischen Auftritt in Tokio und zahlreichen Festivitäten mit den auf Revanche sinnenden Französinnen konfrontiert sehen.

44 Athletinnen und Athleten vertreten die Schweiz diese Woche an der Mountainbike-WM im italienischen Val di Sole. Angeführt wird die grosse Delegation von den Olympia-Heldinnen Jolanda Neff, Sina Frei und Linda Indergand sowie Mathias Flückiger und Nino Schurter. Im Downhill tritt Camille Balanche am Sonntag als Co-Leaderin im Gesamtweltcup zur Titelverteidigung an. Neu figuriert das Short Race im WM-Programm. Während bei den Frauen die Schweizer Topfahrerinnen für die Premiere am Donnerstag gemeldet sind, dürfte bei den Männern der Tessiner Filippo Colombo der einzige Teilnehmer von Swiss Cycling sein. Im Gegensatz zu den Frauen mussten die Männer am Dienstag zusätzlich eine Qualifikation bestreiten.

Zwei Weltcupsiege, Führung im Gesamtweltcup und Olympiasilber: Es waren keine leeren Worthülsen, als sich Mathias Flückiger vor der Saison mit einer markigen Ansage aus der Deckung begab und sich zur neuen Schweizer Nummer 1 vor dem lange unantastbaren Nino Schurter erklärte. Der 32-Jährige hat geliefert, mit Siegen und einer Olympiamedaille. Fast 30 Jahre alt musste Flückiger werden, bis es mit dem fälligen ersten Sieg auf der höchsten Weltcupstufe klappte. Zu seiner zehnten WM bei der Elite tritt er nun als Topfavorit mit klarem Ziel an: „Ich war 2019 und 2020 jeweils WM-Zweiter, ich war in Tokio Zweiter. Nun will ich ganz oben stehen.“

Flückigers Chancen auf Gold stehen am Samstag so gut wie nie zuvor. Der Junioren-Weltmeister von 2010 erfreut sich 2021 der Form seines Lebens. Zugleich fehlen im Trentino mit Thomas Pidcock und Mathieu van der Poel zwei starke Widersacher. Der britische Olympiasieger Pidcock bestreitet derzeit die Vuelta, der Niederländer Van der Poel, der in Tokio eine spektakuläre Bauchlandung hingelegt hat, erklärte aufgrund von Rückenschmerzen Forfait.

Zu Flückigers stärksten Gegnern im Kampf um Gold zählt zweifelsohne Nino Schurter. Schier unglaubliche acht WM-Titel hat der 35-jährige Bündner schon angehäuft. Die vierte Olympiamedaille verpasste er in Tokio trotz hervorragender Leistung knapp; er wurde hinter dem Spanier David Valero Serrano Vierter. Es würde nur bedingt überraschen, sollte Schurter noch einmal zuschlagen. Allerdings spielt dem Rekordweltmeister das Wetter eher nicht in die Karten: Für den Samstag sind Regen und Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad angesagt. Im Gegensatz zu Flückiger zieht Schurter trockene Verhältnisse und etwas höhere Temperaturen vor.

Auch bei Flückiger gibt es indes ein Fragezeichen: Der Spannungsabfall nach Tokio und die Termin-Flut haben ihm zugesetzt: „Ich fiel in ein Olympia-Loch. Mein Energielevel war deutlich tiefer als sonst, ich fühlte mich leer.“ Fast zwei Wochen habe er gebraucht, bis er den Tritt wieder gefunden habe, sagt der Oberaargauer.

Wie hoch die Leistungsdichte im Team von Nationaltrainer Bruno Diethelm ist, offenbarte der Auftritt an der EM in Novi Sad. In Abwesenheit von Flückiger und Schurter liess sich Lars Forster als Europameister feiern, Filippo Colombo sicherte sich Bronze.

Mathias Flückiger (hier nach seinem Silber-Gewinn an der WM 2020) strebt in Val di Sole den Triumph an. Bild: Ego-Promotion

Zwischen Terminflut und Training

Bei den Frauen sinnen die Französinnen um die Weltcup-Dominatorin Loana Lecomte und die Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot auf Revanche. Während die zuvor im Weltcup geschlagenen Schweizerinnen in Tokio mit dem historischen Dreifachtriumph durch Jolanda Neff, Sina Frei und Linda Indergand brilliert haben, ist die hochkarätige französische Equipe überraschend ohne Medaille geblieben.

Dass die Schweizerinnen zuletzt abseits der Mountainbike-Trails viel um die Ohren hatten, spielt den Französinnen in die Karten. Die Olympiasiegerin Neff etwa räumte ein, in den letzten Wochen „eher wenig zum Trainieren gekommen“ zu sein. Aufgrund der vielen Termine habe sie „700 Hürden mehr gehabt als andere“, hielt die St. Gallerin fest. „In Japan war meine Form sehr gut. Nun werden wir sehen, was von dieser Form noch übrig geblieben ist.“

Mit dem Gewinn von EM-Gold hat Ferrand-Prévot am vorletzten Wochenende in Novi Sad in Abwesenheit von Lecomte, Neff und Frei eine erste Reaktion gezeigt. Um die Olympia-Schmach aber ganz abzuhaken, braucht es mehr.

Derweil sich Neff und Frei eine Wettkampfpause gönnten, liess Indergand dem Medaillengewinn von Tokio weitere Spitzenergebnisse folgen – zuletzt den zweiten Rang am gut besetzten Proffix Swiss Bike Cup in Basel.

Roth, Balmer und die Juniorinnen

In den Nachwuchskategorien tritt das Ensemble von Swiss Cycling im Val di Sole ebenfalls mit Ambitionen auf Podestplätze an. Der Aargauer Joel Roth, seines Zeichens Doppel-Europameister U23, wird versuchen, sich nach dem Bronze-Gewinn des Vorjahres in Leogang neuerlich ganz vorne einzureihen; der Neuenburger Alexandre Balmer verfügt ebenfalls über das Potenzial, sich eine Medaille zu ergattern. Im Frauennachwuchs ruhen die Hoffnungen auf den U19-Athletinnen um die Aargauerin Lea Huber, welche sich an der EM in Novi Sad Bronze sicherte.

Die Schweiz ist auch bei den E-MTB-Wettkämpfen vertreten – unter anderen durch den Bündner Vital Albin und die Aargauerin Kathrin Stirnemann, welche vor Jahresfrist als Cross Country-Fahrerin zurücktrat und nun als Nationaltrainerin die U19-Athletinnen betreut. sda/SC

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