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WM Yorkshire

Marlen Reusser: „2020 kann ein extrem spannendes Jahr werden“

Talentiert: Quereinsteigerin Marlen Reusser (rechts; hier mit Kathrin Stirnemann und Elise Chabbey vor dem gemischten Teamzeitfahren) verfügt über das Potenzial, im Einzelzeitfahren in die Weltspitze vorzustossen. Bild: Arne Mill

Am Dienstag bestreitet Marlen Reusser an der WM in Yorkshire das Einzelzeitfahren. Im Interview mit der Agentur Keystone-SDA sprach die Bernerin über Ziele, Perspektiven und die bevorstehende Olympiasaison.

Marlen Reusser bestritt ihr erstes Radrennen erst im Sommer 2017. Noch bis diesen Februar arbeitete die 28-jährige Bernerin mit abgeschlossenem Medizin-Studium zu 50 Prozent als chirurgische Assistenzärztin, seither setzt sie voll auf den Radrennsport. Reusser, die aus Kostengründen zurück zu ihren Eltern zog, fuhr heuer ohne Lohn für das sehr multikulturell besetzte Radteam des Weltverbands UCI.

Im Juni feierte Reusser, die diesjährige Schweizer Strassen- und Zeitfahr-Meisterin, ihre ersten (Zeitfahr-)Siege auf internationalem Niveau. Aufgrund eines Sturzes Ende Juli, bei welchem sie sich das Kreuzbein brach, war ihre WM-Vorbereitung beeinträchtigt. Für 2020 verfügt sie über zahlreiche Angebote von Profiteams.

Dem Schweizer Team fehlte im neu eingeführten Mixed-Nationenzeitfahren wenig, um bei der Medaillenvergabe mitzureden. Lässt dieser Wettkampf Rückschlüsse zu für das Einzelzeitfahren der Frauen?

Marlen Reusser: Nur bedingt, weil das Zeitfahren am Dienstag doch um einiges länger ist (rund 30 statt 14 km – Red.). Zudem findet es auf einer anderen Strecke statt – und man muss alleine fahren.

Was halten Sie von diesem Mixed-Wettkampf?

Ich finde das Format spannend. Super ist, dass die Männer zuerst fuhren, und wir Frauen erst danach an der Reihe waren. So erhielten wir sehr viel mehr Aufmerksamkeit als sonst.

Sie haben im Sommer extrem gute Leistungen gezeigt. Danach aber verletzten Sie sich beim Zeitfahrtraining und mussten einige Wochen aussetzen. Wie steht es um Ihre Form?

Zum Glück verlief die Genesung gut und schnell, auch wenn ich manchmal noch Schmerzen verspüre. Ich hoffe, dass ich mittlerweile wieder in einer ähnlichen Verfassung bin wie zuvor, damit ich meine Leistung bringen kann.

Was haben Sie sich für das Einzelzeitfahren zum Ziel gesetzt?

Die Verletzung, obwohl nicht so schlimm wie jene im Vorjahr (mehrfache Brüche am Becken und Rücken – Red.), war natürlich ein Rückschlag. Gelitten hat vor allem das spezifische Training, welches es für den Wettkampf an einem Grossanlass eigentlich braucht. Obwohl es nicht die optimale Vorbereitung war, bin ich optimistisch. Ich fühle mich gut im Schuss, aber eine Prognose kann ich nicht abgeben.

Sie bestreiten in Harrogate auch das Strassenrennen über 150 km.

Da gilt es für Elise (Chabbey, die zweite Schweizer Starterin) und mich, intelligent mitzufahren und dann am Schluss zu schauen, was noch möglich ist. Sie hat mehr Strassenrennen bestritten als ich, deshalb traue ich ihr mehr zu als mir selbst.

Sie kamen in diesem Jahr zu ihren ersten internationalen Siegen. So gewannen Sie überlegen Zeitfahr-Gold an den Europa-Spielen in Minsk. Wie zuversichtlich stimmt Sie das für den weiteren Verlauf Ihrer Karriere, welche Sie erst 2017 im Alter von fast 26 Jahren begannen?

Ich war und bin immer sehr optimistisch, was meine Fähigkeiten betrifft. Wenn ich gesund bleibe, ist wirklich vieles möglich. Ich muss einfach hoffen, dass ich nicht wieder blöd stürze. 2020 mit der WM im eigenen Land sowie den Olympischen Spielen kann für mich ein extrem spannendes Jahr werden.

Wissen Sie schon, für welches World-Tour-Team Sie im nächsten Jahr fahren werden?

Noch nicht ganz. Ich habe viele Angebote erhalten. Nun gilt es, gemeinsam mit Marcello Albasini (persönlicher Trainer – Red.) und Edi Telser (Nationaltrainer – Red.)) das richtige auszuwählen.

Interview: Keystone-SDA

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