WM Wollongong

Küngs Enttäuschung über Silber – Reusser findet Bronze „cool“

Stefan Küng musste sich in Wollongong nur dem Überraschungssieger Tobias Foss geschlagen geben. Bild: Frontalvision

Zeitfahr-Spezialist Stefan Küng und die knappen Entscheidungen gegen ihn an Grossanlässen, diese Geschichte ist nach der WM in Australien um ein Kapitel reicher. Weniger als drei Sekunden fehlen dem Thurgauer zum ersehnten ersten WM-Gold.

Dabei flog Küng während rund 30 der 34,2 km in Wollongong an der australischen Ostküste regelrecht dem ersten Weltmeistertitel entgegen. Bei der ersten Zwischenzeit nach 7 km lag er knapp vor der Konkurrenz, bis zur zweiten baute er seinen Vorsprung deutlich aus. Von einem Sturz oder Defekt abgesehen schien den Olympia-Vierten im Zeitfahren, der die vielen Kurven technisch brillant durchfuhr und auch sonst die optimale aerodynamische Position fast nie verliess, nichts mehr aufhalten zu können.

Doch am Ende sah sich der 28-Jährige in einer engen Entscheidung dennoch wieder von einem Konkurrenten abgefangen. Aber nicht etwa von Filippo Ganna, dem Weltmeister der letzten zwei Jahre und dem „Mann, den es zu schlagen gilt“, wie Küng im Vorfeld selber gesagt hatte. Ebenso wenig von Remco Evenepoel, dem 22-jährigen belgischen Überflieger und Gewinner der eine Woche zuvor zu Ende gegangenen Spanien-Rundfahrt, und auch nicht wie zuletzt an der EM in München um 0,32 Sekunden von Zeitfahr-Europameister Stefan Bissegger. Der Thurgauer musste seinerseits in Australien mit Rang 5 eine Enttäuschung verarbeiten.

Der Spielverderber aus Sicht von Küng hiess in Down Under vielmehr – und völlig überraschend – Tobias Foss. Zwar ist der 25-jährige Norweger kein Nobody, schliesslich gewann er 2019 die Tour de l’Avenir, die wichtigste Nachwuchs-Rundfahrt. Doch bei den Profis, lässt man die norwegischen Zeitfahr- und Strassen-Meisterschaften ausser Acht, stand er vor Wollongong noch sieglos da. Foss gelang es, Küng auf den letzten 8 km noch zu überflügeln, indem er gleich um 15 Sekunden schneller war. So breit und fast ein bisschen ungläubig das Lachen des Norwegers bei der Siegerehrung war, so enttäuscht war die Miene von Küng, als er nur die zweitoberste Stufe des Podests erklimmen durfte.

Für Marlen Reusser fand die Zeitfahr-Podestserie an Grossanlässen auch in Down Under eine Fortsetzung. Mit dem erhofften ersten WM-Titel wurde es für die Bernerin allerdings nichts. Sie musste sich auf der identischen Strecke wie derjenigen der Männer – eine Premiere für Weltmeisterschaften – der Niederländerin Ellen van Dijk und der Australierin Grace Brown geschlagen geben.

„Dritte und nicht wie so oft Zweite, das ist für einmal etwas anderes und cool. Doch die niederländische Hymne kann ich schon bald auswendig, da muss sich künftig etwas ändern“, sagte Reusser, die aber immerhin vor Monatsfrist in München in ihrer Spezialdisziplin knapp vor Van Dijk Europameisterin geworden war.

Im WM-Zeitfahren verlor die 30-Jährige jedoch auf die Titelverteidigerin aus den Niederlanden kontinuierlich Zeit. Im Ziel nach 34,2 km betrug ihr Rückstand 41 Sekunden. Um wie vor zwei Jahren in Imola und vor Jahresfrist in Flandern Silber zu holen, fehlten ihr in Wollongong ebenfalls 29 Sekunden.

Reusser, die in dieser Saison immer wieder gesundheitliche Rückschläge erlitten hat und auch nach München krankheitshalber einige Tage nicht wie erhofft trainieren konnte, verlängerte aber mit der Bronzemedaille ihre Serie an Top-3-Plätzen in Prüfungen gegen die Uhr. Seit Ende August 2020 und EM-Bronze in Plouay stand sie an Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften immer auf dem Podium.

Die zweite Schweizerin am Start Elena Hartmann hatte an ihrer WM-Premiere Pech zu bekunden. Von einer Windböe erfasst, stürzte sie zur Hälfte des Rennens. Schliesslich beendete sie das Zeitfahren auf dem 26. Platz.

SDA-Keystone/Swiss Cycling

Marlen Reusser sichtlich zufrieden über WM-Bronze. Bild: Frontalvision

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