Tour de Suisse

In Gedanken bei der Tour de France

Bild: © Tour de Suisse

David Loosli, Sportdirektor der Tour de Suisse, gewährt Einblick in jene Überlegungen, die zur Gestaltung der am Samstag beginnenden 82. Auflage der Landesrundfahrt geführt haben.

Das Aussergewöhnliche kommt zu Beginn. Ein Mannschaftszeitfahren im Rahmen der Tour de Suisse, das hat es letztmals im Jahr 2000 gegeben. Hinter der Reintegration ins Programm der Landesrundfahrt finde sich die Absicht, den einen oder anderen Tour-de-France-Podestanwärter anzulocken, erwidert David Loosli auf die entsprechende Frage. Der Berner ist beim Veranstalter InfrontRingier für die Gestaltung des Parcours zuständig. In die Karten spielt ihm der Umstand, wonach die Pause zwischen Tour de Suisse und Tour de France in diesem Jahr drei statt wie gewohnt zwei Wochen umfasst. An der Tour de France wird es ebenfalls ein Mannschaftszeitfahren geben, die Ouvertüre in Frauenfeld bietet sich als Hauptprobe an. Das Critérium du Dauphiné, in der Regel das bevorzugte Vorbereitungsrennen der stärksten Rundfahrten-Spezialisten, geht in diesem Jahr gleich vier Wochen vor dem Tour-de-France-Auftakt zu Ende. Was ein bisschen zu viel sein dürfte. Etliche Hochkaräter, darunter das Movistar-Trio Mikel Landa/Nairo Quintana/Alejandro Valverde, haben sich für die Tour de Suisse entschieden. Loosli, der im Mai 38-jährig werdende Ex-Profi, stellt die neun Tour-de-Suisse-Etappen vor.

Samstag, 9. Juni: 1. Etappe, Mannschaftszeitfahren in Frauenfeld (18km)

«Das Mannschaftszeitfahren ist kurz, aber keineswegs einfach – im Gegenteil: Die erste Hälfte der Strecke ist coupiert. Ich erwarte das BMC-Team weit vorne, und es wäre natürlich schön, wenn ein Schweizer das Leadertrikot übernehmen könnte.»

Sonntag, 10. Juni: 2. Etappe, Frauenfeld – Frauenfeld (155km)

«Die Runde um Frauenfeld, die es viermal zu meistern gilt, ist nicht schwierig, aber auch nicht topfeben. Die Teams der Sprinter werden sich in Position bringen, aber vielleicht gelingt es einer Gruppe, die Sprinter zu überlisten.»

Montag, 11. Juni: 3. Etappe, Oberstammheim – Gansingen (182km)

«Auf den ersten Blick sieht es nach einer Überführungsetappe aus. Das Finale jedoch hat es in sich: Innert 60 Kilometer gibt es fünf Bergpreise; es sind kurze, aber ruppige Anstiege. Wenn die Form passt, könnte das eine Ankunft für Michael Albasini sein.»

Dienstag, 12. Juni: 4. Etappe, Gansingen – Gstaad (189km)

«Für mich ist das die Fragezeichen-Etappe, auf der Fahrt nach Gstaad kann vieles passieren. Fluchtgruppen haben gute Aussichten, aber selbst ein Sprint ist möglich. Einem Peter Sagan traue ich zu, im Aufstieg nach Saanenmöser mit der Spitze mitzuhalten.»

Mittwoch, 13. Juni: 5. Etappe, Gstaad – Leukerbad (155km)

«Der Schlussanstieg nach Leukerbad ist lang, aber nicht sonderlich steil. Schwierig wird er trotzdem, weil die Fahrer schon die ungemütliche Rampe nach Montana in den Beinen haben werden. Das Gesamtklassement wird erste Konturen erhalten.»

Donnerstag, 14. Juni: 6. Etappe, Fiesch – Gommiswald (186km)

«Unsere Königsetappe führt über Furka- und Klausenpass. Letzterer ist relativ weit vom Ziel entfernt, aber auf dem letzten Kilometer geht es nochmals aufwärts nach Gommiswald. Wir können uns auf einen attraktiven Kampf um den Tagessieg freuen.»

Freitag, 15. Juni: 7. Etappe, Eschenbach/Atzmännig – Arosa (170km)

«Jene Anwärter auf einen Podestplatz in der Gesamtwertung, welche im Zeitfahren nicht so stark sind, müssen Vollgas geben. Im 25 km langen Anstieg nach Arosa kann man viel Zeit herausholen, aber auch verlieren.»

Samstag, 16. Juni: 8. Etappe, Bellinzona – Bellintzona (123km)

«Sechs kurze Runden im Raum Bellinzona, erwähnenswerte Erhebungen gibt es keine. Das Rennen wird nervös sein, dadurch auch attraktiv. Jene Sprinter, die es über die Berge geschafft haben, werden ihre Chance suchen.»

Sonntag, 17. Juni: 9. Etappe, Einzelzeitfahren in Bellinzona (34km)

«Bei der Gestaltung des Schlusszeitfahrens kreisten unsere Gedanken ebenfalls um die Tour de France. Die Tour-Zeitfahren sind auch immer etwas länger. Schön wäre, wenn Stefan Küng im Tessin um den Etappensieg kämpfen könnte.»

Interview: Micha Jegge
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