Monatsinterview

Lukas Flückiger: «Ich möchte dem Sport etwas zurückgeben»

Mädchen für alles: Lukas Flückiger stellt sicher, dass es seinen Athleten und Athletinnen an nichts fehlt. Bild: BiXS Performance Race Team

Als Fahrer stand Lukas Flückiger über 20 Jahre lang an MTB-Rennen am Start. Auch nach seinem Ende 2021 erfolgten Rücktritt reist er weiterhin von Rennen zu Rennen, nun jedoch als Manager des BiXS Performance Race Teams. Der 38-jährige Berner spricht über den Rollenwechsel, Herausforderungen und Perspektiven in seinem neuen Team.

Du hast im letzten Jahr deine aktive Laufbahn nach über 20 Jahren beendet. Wie hast du den Wechsel in den Ruhestand empfunden?

Sehr turbulent! Ich war während den letzten Monaten meiner Karriere schon so sehr in meine neuen Projekte involviert und mit ihnen beschäftigt, dass es gefühlsmässig keinen richtigen Abschluss meiner aktiven Karriere gab.

Wie fühlt es sich an, die Rennen als Zuschauer zu verfolgen?

Zu Beginn war es wirklich schwierig. Weil ich eben nie einen richtigen Abschluss hatte, war ich zu Beginn der Saison noch zu wenig distanziert von meiner Rolle als ehemaliger Fahrer. Es war sehr emotional und hart zu realisieren, dass man jetzt auf der anderen Seite der Strecke steht. Das Team und unsere Mission sind aber wirklich cool, und darum gelingt es mir von Rennen zu Rennen besser, es zu geniessen und mit meiner Karriere als Aktiver abzuschliessen.

Du hast die letzten Jahre deiner Karriere in deinem eigenen Team unter die Räder genommen. War ein eigenes Team schon immer dein Traum, oder hatte es sich einfach so ergeben?

Ein eigenes Team zu haben war nie mein Traum. Nachdem ich während meiner Karriere in vielen verschiedenen Teams war, wollte ich mich gegen Ende meiner Karriere nicht mehr in ein Raster zwängen und ständig anpassen. So entschied ich mich, mit meinen Sponsoren mein eigenes kleines Team zu gründen. Durch meinen Veloshop kam ich mit unserem jetztigen Sponsor Intercycle in Kontakt und nach einigen Gesprächen wurde das Projekt eines grossen Teams immer realer.

«Ich habe meine eigenen Velos zerlegt und einfach alles abgebaut, damit die Athletinnen und Athleten ihre Bikes kriegten.»

Du hast das Team während der Corona-Pandemie aus dem Boden gestampft. Wie gelang dir dieses Kunststück?

Ehrlich gesagt weiss ich es nicht. Die Pandemie hat es sicher nicht einfacher gemacht. Anfang Januar hatten wir zum Beispiel noch immer keine Komponenten, und es war auch nichts lieferbar. Deshalb habe ich meine eigenen Velos zerlegt und einfach alles abgebaut, damit die Athletinnen und Athleten ihre Bikes kriegten.

Was sind die grössten Herausforderungen in deinem neuen Job?

Ganz klar das Zeitmanagement. Ich bin gefühlt noch immer zwei Monate im Rückstand. Wenn ich eine Idee habe, dann will ich sie auch umsetzen. Wenn es aber nicht klappt, weil mir schlicht die Zeit ausgeht, nervt mich das extrem. Das Vertrauen der Athletinnen und Athleten war immens, denn sie entschieden sich im vergangenen Herbst für ein Luftschloss. Bis Februar war noch alles auf sehr wackeligen Beinen, und daher war es eine grosse Herausforderung, alle Versprechen umzusetzen, denn ich wollte natürlich niemanden enttäuschen.

Worauf legst du als Teammanager am meisten Wert?

Mir ist es wichtig, den Fahrerinnen und Fahrern alles zu geben, was sie brauchen. Als ehemaliger Fahrer weiss ich genau, was gut ist und was weniger klappt. All diese Puzzleteilchen möchte ich in meinem Team zusammenbringen.

Welche Qualitäten braucht es, um ein Team erfolgreich zu leiten?

Ich würde sagen Gelassenheit und Gleichberechtigung. Ich versuche meinen Athletinnen und Athleten immer zu vermitteln, dass sie sich selber keinen Druck machen müssen. Jedes Rennen fängt bei null an, und wenns mal nicht klappt, kommt das nächste Rennen schon bald. Dazu wissen sie, dass alle gleich aber trotzdem individuell behandelt werden. Natürlich braucht nicht jede und jeder das gleiche vor dem Rennen, doch im Allgemeinen erhalten alle das gleiche Material, die gleiche Unterstützung und so weiter. Wir sind ein Team, und jedes Mitglied steuert seinen Beitrag dazu. Nur so klappt es.

«Wir sind keine Hobbytruppe und darum müssen Resultate irgendwann her.»

Was ist wichtiger für dich: die Resultate oder die individuelle Entwicklung der Athletinnen und Athleten?

Ich war selber Fahrer und weiss, dass für sie das Resultat das Wichtigste ist. Wir sind keine Hobbytruppe und daher müssen irgendwann Resultate her, denn sonst lohnt es sich nicht, so viel Energie in Details zu stecken. Trotzdem verfolgen wir langfristige Ziele und geben nicht gleich auf, wenns mal schwierig wird. Unser Team verfolgt die Mission 25. Wir wollen 2025 so viele Team-Fahrerinnen und Fahrer wie möglich an der WM in der Schweiz dabeihaben. Die individuelle und langfristige Entwicklung liegt uns also auch am Herzen.

Gibt es in deiner neuen Rolle auch Aufgaben, die du gar nicht magst?

Sponsorengespräche, die Betreuung an den Rennen, stundenlange Autofahrten –  ich mag eigentlich alles. Das Einzige, was ich hasse, ist der Zeitmangel. Traurig ist auch, dass ich in den letzten Monaten kaum mehr selber zum Velofahren kam. Ich habe mich jahrelang nur auf mich fokussiert, und plötzlich rennt man nur noch für andere herum. Daran musste ich mich zuerst gewöhnen. Trotzdem freut es mich, wenn ich dem Sport etwas zurückgeben kann.

Welche Perspektiven siehst du für dein Team?

Die Zukunft des Teams wird sehr aufregend! Durch die Mission 25 haben wir mit unseren Sponsoren ein langfristiges Projekt mit viel Potenzial. Die Stimmung im Team ist super, das gegenseitige Vertrauen sehr gross. Wir sind alle davon überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren miteinander vieles erreichen können.

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