Tour de Suisse

Die Schweizer stark, aber nicht am stärksten

Simon Vitzthum im Breakaway Bild: Keystone

Am Ende bleibt Marc Hirschi in Küsnacht nur Rang 4 und die Enttäuschung über den knapp verfehlten Etappensieg, der ihm zum Auftakt der Tour de Suisse zugleich das Maillot jaune eingebracht hätte. Auch Stefan Küng (7.) kommt mit Sieger Stephen Williams ins Ziel. Simon Vitzthum war derweil der Animator des Tages.

Das erste Teilstück der 85. Schweizer Landesrundfahrt mit Start und Ziel in Küsnacht brachte mit den viermal zu befahrenden Aufstiegen zum Pfannenstiel und zur Forch das erhoffte Spektakel. Doch statt Marc Hirschi, wie erwartet der stärkste der 20 zur Tour de Suisse gestarteten Schweizer, schnappte sich mit Stephen Williams ein vergleichsweise unbekannter Fahrer den Tagessieg.

Der 26-jährige Brite hatte zuvor auf Stufe World Tour noch nie triumphiert. Auf der Forch setzte er sich jedoch im Sprint eines nur noch 15 Fahrer umfassenden Spitzenfelds vor Maximilian Schachmann durch. Der Deutsche klassierte sich damit zum zweiten Mal innert drei Tagen im 2. Rang. Am Freitag in Gippingen hatte sich Schachmann ebenfalls im Sprint einer kleinen Gruppe der Endschnelligkeit von Hirschi beugen müssen.

Der 23-jährige Berner galt aufgrund seines Triumphs beim GP des Kantons Aargau auch für die 1. Etappe als heisser Sieganwärter. Hirschi machte bis kurz vor dem Ziel denn auch alles richtig, befand er sich doch auf den letzten 100 Metern am Hinterrad von Williams. Doch der ehemalige U23-Weltmeister kam nicht mehr am britischen Überraschungssieger vorbei und begab sich nach der Zieldurchfahrt enttäuscht und wortlos zum Teambus.

Hirschis Verärgerung war nachvollziehbar, hatte er doch dieses Teilstück, das aufgrund von 2800 zu absolvierenden Höhenmetern sowie der Temperatur von um die 30 Grad Celsius „brutal hart“ (Stefan Küng) war, unbedingt gewinnen wollen. Zwei Defekte im letzten Drittel des Rennens und als Folge derer jeweils ein Radwechsel waren wohl mitentscheidend dafür, dass Hirschi am Ende die entscheidenden Zentimeter zum Triumph – oder zumindest zu seiner ersten Podestklassierung bei der Tour de Suisse – fehlten.

Ebenfalls ganz stark fuhr Stefan Küng. Der Thurgauer sah sich an seinem ersten Renntag seit dem 17. April, als er bei Paris-Roubaix Dritter geworden war, im Sprint etwas eingeklemmt und musste sich mit dem 7. Platz begnügen. „Ich fühlte mich schon vor dem Start sehr gut und spürte in der letzten Runde, dass es mir tipptopp läuft. Deshalb entschloss ich mich, offensiv zu fahren.“ Der Sprint sei nicht ideal verlaufen, „doch hoffentlich erhalte ich noch weitere Chancen auf einen Sieg“, liess Küng verlauten.

Gino Mäder hingegen, die grosse Schweizer Hoffnung auf eine Top-Platzierung im Gesamtklassement, verlor bei grosser Hitze als 37. bereits 51 Sekunden auf seinen siegreichen Bahrain-Teamkollegen Williams. „Weil er gewinnt, ist meine Enttäuschung etwas weniger gross. Doch es war heute wirklich sehr heiss“, sagte der Berner, der zuletzt im Höhentrainingslager bei deutlich tieferen Temperaturen trainiert hatte. „Es war gewiss nicht der optimale Start, doch meine Beine sind eigentlich gut“, sagt Mäder und hofft, dass er sich in den kommenden Tagen im Klassement noch nach vorne arbeiten kann.

Seitens des Schweizer Nationalteams lieferte vorab Simon Vitzthum eine ausgezeichnete Darbietung ab. Der St. Galler gehörte zur Fluchtgruppe, welche sich bereits in der ersten von vier Runden gelöst hatte. Vitzthum war der letzte, der sich einholen liess; beinahe hätte er sich das Bergpreistrikot überstreifen. Bei der letzten Wertung des Tages war Quinn Simmons jedoch etwas schneller und sicherte sich das von der #swisscyclingfamily patronierte Trikot.

Die 2. Etappe am Montag beginnt wiederum in Küsnacht, ehe die Strecke zunächst nordwärts nach Effretikon und schliesslich westwärts über Kloten, Brugg und Frick ins Baselbiet führt. Das Ziel befindet sich nach 199 km in Aesch. Mit dem Gempen, Eichenberg und – rund 15 km vor dem Ziel – vor allem dem Challpass sind drei kategorisierte Anstiege zu bewältigen.

Text: Keystone-SDA/SC

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