#swisscyclingfamily | Member

E-Bike

Der Aufstieg des E-Bikes erfordert neue Verkehrslösungen

ASTRA-Direktor Jürg Röthlisberger ist bestrebt, die Mischverkehrslösungen auf ein Minimum zu reduzieren. Bild: Benjamin Zumbühl/Swiss Cycling

Die Rolle des E-Bikes im Verkehr wird mit rasanter Geschwindigkeit grösser. Jürg Röthlisberger betonte an der ersten nationalen E-Bike-Tagung von Swiss Cycling mit Verweis auf den Bundesbeschluss Velo die Notwendigkeit, die Infrastruktur dieser Entwicklung anzupassen. Bund und Kantone müssten gemeinsam das Kernziel verfolgen, die Velowege bezüglich Qualität und Sicherheit auf das Niveau der Nationalstrassen zu bringen, liess der ASTRA-Direktor verlauten.

Franziska Teuscher drang in ihrer Begrüssungsrede gleich in den Kern der Thematik vor. Sie sei mit einem «normalen» Velo unterwegs, hielt die Gemeinderätin der Stadt Bern anlässlich der ersten nationalen E-Bike-Tagung im Berner Schwellenmätteli fest. Im darauffolgenden Satz warf die Sportdirektorin der Bundesstadt den Gedanken auf, wonach womöglich bald die E-Bikes als «normale» Velos bezeichnet würden.

Karin Bächli, Leiterin Mobilität und Verkehrsplanung bei Ernst Basler & Partner AG, sprach über die mobil werdende «Generation Klima», welche über das Potenzial verfüge, die permanent steigende Anzahl der E-Bike-Nutzer markant in die Höhe schnellen zu lassen. Jürg Röthlisberger erwähnte den Fakt, wonach heutzutage 66 Prozent aller Autofahrten sowie 96 Prozent aller Bus- und Tramfahrten kürzer als 10 Kilometer seien. «Das sind Distanzen, die sich mit dem E-Bike komfortabel zurücklegen lassen», liess der Direktor des Bundesamts für Strassen (ASTRA) verlauten. Röthlisberger verwies auf infrastrukturelle Massnahmen, die es in die Wege zu leiten gelte, um die Mischverkehrslösungen auf ein Minimum zu reduzieren, auf diese Weise die Sicherheit der Velofahrenden zu gewährleisten. «Mit dem Bundesbeschluss Velo wurden die Velowege in der Verfassung den Fuss- und Wanderwegen gleichgestellt. Gemeinsames Ziel von Bund und Kantonen muss nun sein, dass die Velowege so gut und so sicher wie die Nationalstrassen werden.» Röthlisberger schwebt in diesem Kontext vor, ein «Leuchtturmprojekt» in Form einer rund 20 Kilometer langen Velo-Schnellstrasse zu initiieren.

Investitionen in die Entflechtung

Das Thema Sicherheit ist insofern zentral, als die E-Bike-Unfälle zumeist schlimmere Folgen haben als jene mit herkömmlichen Velos. Stefan Siegrist, Direktor der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), plädiert dafür, die Unfallstatistik nicht zu dramatisieren, aber eingehend zu analysieren. Fakt sei, dass die Unfallzahlen proportional zu den Verkaufszahlen steigen würden. Klar sei mittlerweile auch, dass der Autolenker die Geschwindigkeit des E-Bike-Fahrers desto stärker unterschätze, je schneller der E-Bike-Fahrer unterwegs sei. Nun gelte es, aus diesen Erkenntnissen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Ariane Ehrat, Tourismus-Expertin in Diensten der Lenzerheide Bergbahnen, bezeichnete das E-Bike als «ganz grosse Chance» für alpine Feriendestinationen, weil es den Kreis der potenziellen Gäste signifikant vergrössere. Eminent wichtig sei das Bewusstsein bei den Verantwortlichen, in die Entflechtung investieren zu müssen, hielt Ehrat fest. So habe die Gemeinde Vaz/Obervaz, auf deren Boden sich Lenzerheide befindet, in den letzten Jahren eine Million Franken für die Entflechtung von Wanderern und Mountainbikern ausgegeben.

Markus Pfisterer, Geschäftsführer von Swiss Cycling, appellierte im Rahmen seines bilanzierenden Schlussworts an die Notwendigkeit der Toleranz seitens der Verkehrsteilnehmer und sprach über den elementaren Gedanken der Koexistenz. Pfisterer bezeichnete die Tagung als «vollen Erfolg», bat die Teilnehmer, den gegenseitigen Austausch zu intensivieren und versprach, dass Swiss Cycling im Jahr 2020 wiederum eine nationale E-Bike-Tagung durchführen werde.

Dein Browser ist nicht mehr aktuell. Bitte aktualisiere Deinen Ihren Browser.