EM München

Das Geburtstagsgeschenk bleibt aus

Hoch geflogen, hart gelandet: „Manchmal passt es, manchmal nicht. So ist der Sport“, sagt Nikita Ducarroz. Bild: Frontalvision

Viel riskiert, zweimal gestürzt: Titelverteidigerin Nikita Ducarroz beendet die Europameisterschaften im BMX Freestyle in München an ihrem 26. Geburtstag auf Platz 5.

Als sich Nikita Ducarroz nach missglückten Auftritten den Medien stellte, lächelte sie bereits wieder. Klar war sie enttäuscht, gleichzeitig freute sie sich für die drei Medaillengewinnerinnen. Ein Aspekt, den sie in ihrem Sport schätzt, sind die Leute. Die Athletinnen und Betreuenden seien wie eine grosse Familie, mit dem Ziel BMX Freestyle zu pushen.

Leute zu treffen, war nicht immer ihr Ding. Früher konnte sie an manchen Tagen nicht einmal ihr Zimmer verlassen. Sie wurde von Panikattacken heimgesucht, die aus dem Nichts kamen. „Als ich klein war, wusste ich nicht, was passiert“, blickt Ducarroz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zurück. Zwar hat sie auch heute noch hie und da Panikattacken, sie lernte jedoch in der Zwischenzeit, damit umzugehen. „Ich habe die richtigen Leute um mich herum, die mich verstehen und wissen, was zu tun ist. Deshalb bin ich weniger gestresst.“

Eine Zeitlang bestieg Ducarroz kein Flugzeug mehr. Nun ist das Reisen für sie zur Routine geworden, auch wenn es manchmal immer noch hart sei. Nach München ist sie erst am Dienstagmorgen geflogen, direkt aus den USA. Sie lebt seit Januar 2020 in Holly Springs im Bundesstaat North Carolina, zuvor hatte sie im kalifornischen Glen Ellen gewohnt. In Holly Springs findet sie ideale Trainingsbedingungen vor. Der Besitzer der dortigen Park-Anlage ist der Olympia-Zweite Daniel Dhers.

Nach dem Umzug trainierte Ducarroz deutlich mehr. Ein gewöhnlicher Tag sieht folgendermassen aus: Am Morgen übt sie während drei bis vier Stunden mit dem Bike, nach einer Pause geht sie dann noch ins Fitnessstudio. Zupass kam ihr, dass sie sich 2020 aufgrund der Corona-Pandemie voll und ganz auf den Sport fokussieren konnte. „Während einer normalen Saison mit vielen Wettkämpfen ist es schwierig zu trainieren“, sagt Ducarroz, deren Vater aus Genf stammt und deren Mutter Amerikanerin ist, weshalb sie beide Pässe besitzt.

Die 2020 erzielten Fortschritte münzte sie 2021 in hervorragende Resultate um: Olympia-Bronze, WM-Silber und EM-Gold gewann sie im vergangenen Jahr. Warum startet sie eigentlich für die Schweiz, wenn sie in den USA lebt? Einer der Gründe war, dass der Sport hierzulande ein Mauerblümchendasein fristet und sie ihn bekannter machen will. „Es ist eine tolle Gelegenheit, diese Seite meiner Familie zu repräsentieren“, sagt Ducarroz, die im Sommer regelmässig ihre Grosseltern in Genf besuchte.

Zum BMX kam sie, nachdem sie den Sport auf YouTube gesehen hatte. Zuvor hatte sie nie davon gehört; sie mochte es allerdings, mit ihrem Bruder Velo zu fahren. „Es sah nach Spass aus“, erzählt Ducarroz. So versuchte sie es und kam nicht mehr davon los. „Es gibt immer die Herausforderung, etwas Neues zu lernen.“

An der EM in München war sie im ersten Run auf einem guten Weg, ehe ihr am Ende ein „kleiner Fehler“ unterlief, der einen Sturz zur Folge hatte. Im zweiten Durchgang riskierte sie alles und stürzte erneut. Sind ihr zwei Stürze in einem Wettkampf schon einmal passiert? „Ich denke nicht. Aber so ist leider der Sport.“ Ducarroz blickte bereits wieder vorwärts, im November will sie in Abu Dhabi ihre zweite WM-Medaille gewinnen. „Ich mache nun eine Pause und werde dann noch härter arbeiten“, verspricht sie. Zunächst genoss sie aber trotz der Enttäuschung ihren 26. Geburtstag.

Text: Keystone-SDA

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