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WM Lenzerheide

Courtney triumphiert, Neff auf Platz 4

Jolanda Neff muss im WM-Rennen auf der Lenzerheide trotz starker Leistung mit Platz 4 vorlieb nehmen. Nachfolgerin der angeschlagen gestarteten Weltmeisterin von Cairns wird überraschend die junge Amerikanerin Kate Courtney.

Um 15 Sekunden verpasste die erkältete und wegen eines Trainingssturzes nicht zu 100 Prozent fitte Neff das WM-Podest. Dieses bildeten die Sensationssiegerin Kate Courtney, die zweitplatzierte Dänin Annika Langvad und die Kanadierin Emily Batty. Zweitbeste Schweizerin war Linda Indergand als 13. Es war natürlich eine Enttäuschung für Neff und am vierten WM-Tag der erste Dämpfer für Swiss Cycling nach Goldmedaillen im Team-Wettkampf, bei den Junioren und den U23-Frauen. Als Überraschung lässt sich der Ausgang des Wettkampfs jedoch nicht bezeichnen. Erstens war Neff angeschlagen, zweitens kam die Witterung respektive der trockene Untergrund ihren Rivalinnen entgegen. Zudem kommt Neffs herausragende Fahrtechnik in Lenzerheide weniger zur Geltung als beispielsweise auf den extrem anspruchsvollen Strecken in Mont Sainte-Anne und La Bresse.

Bei einem harmlosen Sturz war Neff am Montag unglücklich aufs Knie gefallen, zudem schleppte sie eine Erkältung durch die Heim-WM. „Es ist nichts Gravierendes. Doch wegen des Knies habe ich die letzten Tage nicht so trainieren können, wie ich mir es vorgenommen hatte. Auf diesem Niveau entscheiden Details“, erklärte Neff im Nachgang. Bis zuletzt hatte sie gehofft, dass es dennoch reichen würde. Sie presste im Rennen alles aus sich heraus. „Ich kann mir nichts vorwerfen“, befand die Rheintalerin. Schliesslich aber musste sie erkennen: „Mir fehlte schlicht die Kraft.“

Bewusst war die als Blitzstarterin bekannte Neff das Rennen vor der Rekordkulisse von 24’000 Zuschauern und bei Postkartenwetter nicht zu schnell angegangen. Nicht wie am Mittwoch im Team-Wettkampf, als sie sich im ersten Anstieg übernommen und dafür gebüsst hatte. Doch anders als drei Tage zuvor, als sie dank starker Teamkollegen dennoch triumphierte, fehlten ihr am Samstag die entscheidenen Prozente.

Neff hatte die drei letzten Rennen vor der WM gewonnen, den EM-Titel geholt und den Gesamtweltcup für sich entschieden. Unter den veränderten Voraussetzungen eröffneten sich den Gegnerinnen ungeahnte Möglichkeiten. Annika Langvad, Neffs Hauptkonkurrentin in dieser Saison, schob sich zunächst in die Pole-Position. Lange führte die Weltmeisterin von 2016 das Rennen an, zwischenzeitlich belief sich ihr Vorsprung auf über 40 Sekunden. Doch mit zunehmender Renndauer schmolz dieser dahin. Auf der Schlussrunde beging die Dänin einen Fehler, derweil die erste Verfolgerin Courtney einen Zacken zulegte – es kam zum entscheidenden Leaderwechsel. Dahinter verkürzte Neff ihren Rückstand auf den Bronze-Platz. Die Hypothek, die sie sich zu Beginn eingehandelt hatte, liess sich aber nicht mehr wettmachen.

Der Triumph von Courtney kann zweifelsohne als dicke Überraschung bezeichnet werden. Die 22-jährige Kalifornierin, die am Fuss des Mount Tamalpais aufgewachsen ist, der Legende nach dem Geburtsort des Mountainbike-Sports, war zwar im Vorjahr bei den U23-Frauen die Nummer 1 im Weltcup und an der WM Zweite hinter Sina Frei, doch bei der Elite war der 6. Platz im Weltcup vor einem Monat in Mont-Sainte-Anne ihr Bestergebnis. Erst seit diesem Jahr ist Courtney als Profi unterwegs. Zuvor hatte sie an der Stanford-Universität den Bachelor-Abschluss in Human-Biologie erlangt. Dass mit Langvad ihre Team- und Zimmerkollegin im Weltcup neben ihr auf dem Treppchen stand, machte ihren Erfolg umso süsser.

sda
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