Trial

Aus dem Nationaltrainer ist ein Botschafter geworden

Aus dem Schatten: Jean-Daniel Savary etablierte den Trialsport in der Schweiz. Bild: EGO-Promotion

Jean-Daniel Savary hat sein Amt als Trial-Nationaltrainer von Swiss Cycling per Ende 2020 niedergelegt. Zeit für eine Bilanz zur Sportart Trial, die vom 66-jährigen Waadtländer in den letzten 20 Jahren leidenschaftlich gefördert worden ist, in der Öffentlichkeit aber trotz ihrer Attraktivität kaum wahrgenommen wird.

Die Entwicklung von Randsportarten ist häufig eng mit leidenschaftlichem Engagement von einzelnen Vertreterinnen und Vertretern verbunden. Das gilt auch für Trial, eine Radsportart, die innerhalb unserer Landesgrenzen von rund 110 lizenzierten Athletinnen und Athleten betrieben wird. Jean-Daniel Savary steht in der Schweiz wie kein anderer für diese Sportart. Der ausgebildete Sportlehrer, früher unter anderem Trainer von Kunstturnern und Leichtathleten, vollzog den Wechsel zum Trial, um seinen Sohn zu coachen. Das war vor 20 Jahren. Seither lässt ihn dieser Sport nicht mehr los. Beruflich als Unternehmer tätig, dehnte er seinen Aktionsradius rasch über die Trainerrolle aus und widmete sich der Förderung der Sportart. Nach neun Jahren als Nationaltrainer bei Swiss Cycling hat der 66-jährige Waadtländer entschieden, sein Amt abzugeben. Seines Erachtens ist das mit den im Trial-Sport zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln realisierbare Potenzial ausgeschöpft.

Aller Anfang ist schwer

Trial steht im Schatten der olympischen Radsportarten Strasse, Mountainbike, Bahn und BMX. Die Sportart wird von Swiss Olympic nicht gefördert und sieht sich mit der anspruchsvollen Aufgabe konfrontiert, sich in der vielfältigen Radsportszene zu etablieren. Erschwerend kommt hinzu, dass Trial keine lange Tradition vorausgeht – im Gegensatz zum Radquer-Sport, der hierzulande in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts insbesondere aufgrund der Erfolge von Legenden wie Albert Zweifel eine Glanzzeit erlebte. Trial ist eine moderne, auf den Motorsport zurückgehende Sportart. Auch wenn sie in der Schweiz seit den 1980er Jahren betrieben wird, wurde erst Anfang der 2000er-Jahre von ihr Notiz genommen. Just zu diesem Zeitpunkt trat Jean-Daniel Savary in Erscheinung. «Als ich im Trial begann, fehlte es an allem. Es gab keine Strukturen, keine Organisation in den Clubs und nur sehr wenige Wettkämpfe. Es musste praktisch alles geschaffen werden», hält der Waadtländer fest.

Seine ersten Spuren hinterliess Savary mit der Durchführung eines Wettkampfs, in dessen Rahmen er sich Gedanken zur Frage machte, wie sich das Interesse und die Attraktivität für Zuschauer erhöhen lassen. Im 20. Jahrhundert waren die meisten Wettkämpfe im Wald mit natürlichen Hindernissen ausgetragen worden. Dieses Format jedoch hatte für die Zuschauenden weite Wege zur Folge, um von einer Zone zur nächsten zu gelangen. Um Abhilfe zu schaffen, überarbeitete Savary das Wettkampfkonzept unter Errichtung künstlicher Zonen an ein und demselben Ort. «Unser Konzept kam bei den Zuschauenden sofort gut an», bemerkt er stolz. So fanden 2004 in Ropraz die ersten Swiss Cup-Wettkämpfe statt. In der Folge ist aus dem Swiss Cup eine nationale Serie geworden. Dank dem Wechsel von den natürlichen zu den künstlichen Hindernissen konnten nun auch in Ballungsräumen Wettkämpfe durchgeführt werden, was den Publikumszuspruch verstärkte.

Jean-Daniel Savary war von der Attraktivität der Disziplin so überzeugt, dass sein Engagement über die Durchführung von Swiss Cup Wettkämpfen hinausging. «Eine Sportart wie Trial lässt sich nur über Veranstaltungen bekannter machen», liess er anlässlich eines Treffens mit Ready to Ride wenige Wochen vor «seinen» Europameisterschaften 2018 in Moudon verlauten. Als Initiant, Vorsitzender des Organisationskomitees und «Mädchen für alles» scheute Savary keinen Aufwand, um dem Trial-Sport eine hierzulande bisher einmalige Bühne zu bieten. Auch wenn die Schweizer Athletinnen und Athleten den Heimvorteil nicht zu nutzen vermochten und keine Medaillen gewannen, hat das Nationalteam in den letzten Jahren ein hohes Niveau erreicht und sich in der Hierarchie knapp hinter den Elitenationen Spanien, Frankreich und Deutschland eingereiht. Aushängeschilder wie Debi Studer, Lucien Leiser und Tom Blaser befinden sich mittlerweile auf höchstem Niveau. Sie werden künftig unter der Obhut des neuen Nationaltrainers Pascal Benaglia und seines Assistenten Jérôme Chappuis gefördert.

Aus dem Hof wird ein Trainingszentrum

Trotz umfangreichen Anstrengungen verblieb die Zahl der lizenzierten Athletinnen und Athleten in den letzten Jahren auf dem gleichen Level, zum angestrebten Wachstum kam es nicht. «Immerhin ist es uns gelungen, einen Rückgang zu verhindern», sagt Savary. Der ehemalige Nationaltrainer hält ein methodisches Training für unverzichtbar, um potenzielle Athletinnen und Athleten anzulocken und bei der Stange zu halten. Im Rahmen seiner Funktion beriet er bezüglich dieses Aspekts sämtliche Schweizer Clubs. «Beim Trial kommt es jeweils zur Hälfte auf die Technik und die mentale Einstellung an», betont der Experte unter Verweis auf die erheblichen Fortschritte, die in den letzten 20 Jahren in der Trainingsgestaltung erzielt worden sind. «Die Trainingsplanung ist inzwischen professionell, individuelle Planungen sind mittlerweile normal.»

Jean-Daniel Savary lag es am Herzen, vor seinem Rückzug noch einmal mit einem Konzept für ein nationales Trainingszentrum in Aigle aufzuwarten, welches sich jedoch wegen fehlender Mittel vorerst nicht umsetzen lässt. «Es liegt bei mir in der Schublade und kann jederzeit verwendet wer- den», hält er fest. Auch wenn er sich aus dem Verband zurückzieht, hält Savary dem Trial die Treue. Über seinen Radsportclub Trial Broye Jorat bleibt er aktiv. So baute der aus Ropraz stammende Savary vor einigen Jahren einen Teil seines Hofes in ein Trial-Trainingszentrum um, in welchem der Sport mit Farbcodes und verschiedenen spielerischen Übungen erlernt werden kann. «Am wichtigsten ist Innovation und permanente Weiterentwicklung.» So lautet das Motto eines Trainers, welcher längst zum Botschafter seiner Sportart geworden ist.

Reisender in Sachen Trial: Im Herbst 2017 hat Jean-Daniel Savary mit dem Nationalteam an den Urban Cycling-Weltmeisterschaften in China teilgenommen. Bild: EGO-Promotion

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