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GEFLÜCHTETE ATHLETINNEN UND ATHLETEN

Zwischen Dankbarkeit und Ungewissheit

Bild: zvg

Am Donnerstag, 2. März, jährt sich die Ankunft der ukrainischen Nachwuchsradsportlerinnen und -radsportler in der Schweiz. Die Gruppe wird tendenziell kleiner, die Herausforderungen bleiben gross. Es braucht von allen Beteiligten einen langen Atem, sagt Swiss Cycling-Geschäftsführer Thomas Peter.

Acht Teenager drehen auf der Bahn im Tissot Velodrom zu Grenchen ihre Runden; sie tragen blau-gelbe Rennanzüge. Trainerin Valentina Matviichuk steht am Rand des Ovals, gibt Anweisungen. Das Niveau ist hoch, was insofern nicht erstaunt, als es sich bei den Jugendlichen um Mitglieder des ukrainischen Nachwuchs-Nationalkaders handelt. Valentin Kabashnyi, welcher in diesem Jahr 19 wird und damit dem jüngsten U23-Jahrgang angehört, durfte sein Heimatland im Februar gar an den Elite-Europameisterschaften vertreten – in Grenchen, auf seiner temporären Heimbahn.

Exakt ein Jahr ist vergangen, seit die ersten Nachwuchsathletinnen und -athleten aus der Ukraine in der Schweiz angekommen sind. Am Ursprung stand die Anfrage eines ukrainischen Nationaltrainers an Swiss Cycling-Geschäftsführer Thomas Peter, den bei Kriegsausbruch in einem Trainingscamp im Westen der Ukraine weilenden Jugendlichen bei deren Flucht nach Italien behilflich zu sein. Über die ostpolnische Kleinstadt Lublin, wo die Jugendlichen von Peter und drei Mitarbeitenden in zwei Kleinbussen abgeholt wurden, gelangte die Gruppe nach Magglingen.

Valentina Matviichuk war zuhause als Regionaltrainerin tätig gewesen, ehe sie mit ihren beiden Töchtern in die Schweiz flüchtete und auf die Bitte von Swiss Cycling hin die Betreuung der innert kurzer Zeit auf 27 Köpfe angewachsenen ukrainischen Gemeinschaft übernahm. Im Verlauf der Monate ist die zu Beginn heterogene Gruppe zu einer Art Familie, aber auch kleiner geworden. Zwei Jugendliche seien mittlerweile in die Ukraine zurückgekehrt, einer lebe in Belgien, lässt Valentina Matviichuk verlauten. Eine ehemalige Athletin habe in der Schweiz ein Studium aufgenommen, ein ehemaliger Athlet hierzulande einen Arbeitsplatz gefunden. Und dann weilt auch Anna Kolyzhuk nicht mehr im Berner Seeland. Das sportliche Aushängeschild der Gruppe – sie gewann im letzten Sommer WM- und EM-Medaillen bei den Juniorinnen – wurde im Team des Centre Mondial du Cyclisme aufgenommen und lebt nun vorwiegend in Aigle.

Das Leben in der Schweiz sei toll, Magglingen ein sehr schöner Platz zum Leben, sagt die 18-jährige Arina Korotejeva. «Wir können hier hervorragend trainieren, draussen und drinnen auf der Bahn. Wir können zur Schule gehen, die Sprache lernen». Auch wenn man sich mit Valentina Matviichuk unterhält, ist viel Dankbarkeit zu spüren. Gleichzeitig herrscht sowohl bei der Trainerin als auch bei den Nachwuchskräften permanente Unsicherheit. Es ist ungewiss, wie lange der Krieg noch dauern wird, wie es in der Ukraine danach aussehen wird, ob noch Sportstrukturen existieren werden.

Die privaten Konstellationen, Vorstellungen und Wege der Jugendlichen sind grundverschieden. Thomas Peter spricht von «28 Geschichten», von «einem komplexen, sich verändernden Konstrukt». Er verhehlt nicht, dass immer wieder neue Herausforderungen gemeistert werden müssen und es bei allen Beteiligten einen langen Atem braucht. Doch er sagt auch, die Hilfsaktion noch keine Sekunde lang bereut zu haben. «Wir wussten und wissen immer noch nicht, wohin die Reise führen wird. Aber wir wussten, dass wir in der Schweiz die Möglichkeiten haben, zu helfen. Und wir haben diese Möglichkeiten genutzt.»

Und dabei auch grosse Hilfsbereitschaft erfahren, wie Peter konstatiert: «Wir möchten all jenen Leuten danken, welche uns unterstützt haben und immer noch unterstützen. Allen voran Baspo-Direktor Matthias Remund, welcher vor einem Jahr spontan zugesagt hat, die Jugendlichen in Magglingen unterzubringen. Dann natürlich Beni Ruf, der viele Velos gespendet und die Wettkampfbetreuung übernommen hat. Ganz wichtig waren auch jene aus Russland, Weissrussland und der Ukraine stammenden Frauen, welche als Schlummermütter eingesprungen sind. Ana Vegara mit ihrer Sprachschule, die auf unkomplizierte Weise eine Klasse eröffnete. Andrei Krasilnikau von der UCI, der als Übersetzer und Betreuungsperson einsprang sowie Florence Pillet vom Baspo, die gemeinsam mit Tanguy Darbellay viele Aktivitäten organsierte – um nur einige zu nennen. Nicht vergessen werden dürfen alle Spenderinnen und Spender, dank deren Hilfe wir den Sportbetrieb und die Sprachschule überhaupt erst zu finanzieren vermochten.»

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